ergo im netz. Das Weblog für Ergotherapeuten

Nützliches für Beruf und Ethos im Internet

Bye-bye, ergo-im-netz.de, mein Blog!

Liebe ergo-im-netz-Leser*innen!

Ich habe mich dazu durchgerungen, dieses Blog in Kürze zu schließen. Das hat mehrere Gründe. Der wichtigste ist, dass ich mittlerweile kaum noch Zeit finde, das Blog regelmäßig mit interessanten Inhalten zu füllen. Das habt Ihr sicherlich auch schon bemerkt. Dabei gäbe es eine Menge spannender Geschichten zu erzählen. Es liegt also weniger am Thema als an meinem schrecklich kurzen 24-Stunden-Tag als freiberuflich arbeitende Familienfrau, den ich leider – Ihr werdet das kennen – viel mit bezahlter Arbeit füllen muss. Und wenn ich nicht arbeite, möchte ich gerne richtig frei haben, damit meine Kinder ihr Leben nicht mit einer nur körperlich anwesenden, sondern auch mit einer ganz und gar präsenten Mutter teilen können.

Lange habe ich hin und her überlegt, lange ist hier nicht allzu viel passiert. Trotzdem seid Ihr mir und diesem Blog treu geblieben. Vielen Dank dafür! Ich weiß das sehr zu schätzen. Ich mache den Laden deshalb nur ungern dicht. Dennoch bitte ich Euch um Verständnis für diesen Schritt, denn ich mag es eigentlich nicht, wenn die Dinge in so einem Halb-Zustand vor sich hin dümpeln.

Deshalb bin ich umso glücklicher, dass die 10 meistgelesenen Blogeinträge aus ergo-im-netz zum handlungs:plan umziehen können. Markus Kraxner, der den Ergo-Blog handlungs:plan betreibt, hat mir eine Kooperation angeboten, die ich sehr gerne und dankend angenommen habe (wenngleich er ein bisschen Geduld und Spucke dafür gebraucht hat *g). So darf ich Euch empfehlen, so treu wie Ihr mir hier gefolgt seid, zukünftig dem handlungs:plan zu folgen – wenn Ihr das nicht schon längst tut (dann wird’s aber nun langsam Zeit *huschhusch*).

Dort werdet Ihr demnächst nicht nur die besagten 10 ergo-im-netz-Beiträge finden, sondern – neben den famosen Original-Handlungs:plan-Beiträgen – in loser Reihenfolge weitere Artikel zu grundlegenden ergotherapeutischen Verfahrensweisen bei verschiedenen Krankheitsbildern aus meiner Feder. Und vielleicht noch mehr, wer weiß. Ich würde mich freuen, wenn Ihr ab und zu mal Eure Meinung in die handlungs:plan-Kommentare schreibt. Es ist nämlich immer ganz schön anzusehen, wer hier und dort so alles mitliest.

Bis der Umzug abgeschlossen ist, dauert es noch ein bisschen: Damit Ihr Euch langsam dran gewöhnen könnt. ;-) Danach wird unter der Adresse ergo-im-netz.de ein neuer Service für Therapeuten zu finden sein: Ich habe beschlossen, mein Wissen über Online-Marketing und die dazugehörigen, auf Therapeut*innen zugeschnittenen Strategien an Euch weiterzugeben. Ihr erfahrt dann unter der Hauptdomain Therapeuten-im-Web (noch kein aktiver Link, da vorerst noch in Arbeit) was ich genau anbiete.

Ihr könnt Euch aber schon mal merken: Es geht um Eure Homepages und Blogs, und was Ihr beachten müsst, damit sie mit dem Heilmittelwerbegesetz konform sind; es geht darum, wie Ihr unterschiedliche Social-Media-Kanäle nutzen könnt, um Eure Bestands-Klienten zu binden und neue Zielgruppen zu erreichen; es geht um die Konzeption von Online-Marketing-Strategien, die zu Euch, Eurer Praxis und Euren Patienten passen. Denn mit alldem habe ich mich die vergangenen Monaten verstärkt beschäftigt und ich glaube, dass ich Euch in allen Fragen rund um dieses Thema gut unterstützen kann. Nicht nur mit dem dazugehörigen Blog, sondern auch ganz in Echt – per Telefon, Mail und Auge in Auge.

Bis dahin: Auf Wiedersehen und eine gute Zeit!

Psst! Ihr findet mich auch auf Xing, Twitter, Google+ und Facebook

Bessere Ausbildung bitte!

Gabriele Voigt-Papke

Gabriele Voigt-Papke

Gabriele Voigt-Papke arbeitet in eigener Praxis in Lübbecke. Sie hat in meinem Blog schon einige Gastbeiträge veröffentlicht (Ergotherapie im Wandel, Tiergestützte Therapie). Vor Kurzem sprach sie mich an, weil ihr ein Thema auf den Nägeln brennt, und zwar die Qualität der Ergotherapie-Ausbildung. In ihrer Berufslaufbahn hat sie schon oft und lange mit Ergotherapie-SchülerInnen gearbeitet, sie zeitweise auch selbst unterrichtet. Doch in letzter Zeit, so sagt sie, bemerkt sie zunehmende Defizite der SchülerpraktikantInnen, die sie in ihrer Praxis betreut. Sie hat in diesem Beitrag einige Beispiele zusammengetragen und zieht Rückschlüsse auf die Gesamtsituation der Ergotherapie-Ausbildung an privaten Schulen.

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Ebede.net lesen

Heute empfehle ich sehr vehement, www.ebedenet.de zu besuchen. Und zwar aus zwei Gründen:

Erstens: Wegen der großen Gehalts-Umfrage: Verdienen Ergotherapeuten, Pflege- und Betreuungskräfte in der Geriatrie angemessen?

Ebede.net sagt darüber:

Heute verdienen Ergotherapeuten inflationsbereinigt zehn Prozent weniger als noch vor zehn Jahren, das West-Ost-Gefälle beträgt bis zu 25 Prozent. Gleichzeitig ist laut DVE die Behandlungsqualität gestiegen. Liegt das nicht zuletzt an der hohen Fortbildungsbereitschaft der Ergotherapeuten? Dann stellt sich die Frage: Wie hoch ist die Rendite? Wie viel Euro mehr Gehalt bekomme ich für jeden Euro, den ich in Aus- und Weiterbildung investiere?

Ihr könnt mit Eurer Teilnahme dazu beitragen, dass aussagekräftige Statistiken entstehen und jeder sein eigenes Gehalt besser einschätzen kann. Motiviert wurde Ebede.net durch eine Aktion der Heilmittelverbände, die sich nennt: “Wir verdienen mehr als wir verdienen!”. Damit möchte unter anderem der DVE auf die unangemessene Bezahlung von Ergotherapeuten aufmerksam machen. Diese Unterschriften-Aktion läuft noch bis zum 20. Juni. Ihr könnt Eure Unterschrift formlos einreichen. Wo, steht zum Beispiel hier.

Zweitens: Wegen dieses Artikels über Twitter und Ergotherapeuten: Fünf Gründe, warum Ergotherapeuten twittern sollten

Wer twittert, kann mir gerne folgen. Ich folge auch sehr gerne zurück. :-)

Warum Frontal21 recht hat, aber Rezeptabsetzungen nur ein Symptom sind

Schon lange plagen sich Ergos, Physios, Logos und Podologen mit formalen Fehlern auf Verordnungen rum. Auch, wenn die Rechtsprechung die Prüfpflicht bestätigt, sorgt sie im Alltag für schier absurde Situationen. Das wissen alle niedergelassenen Therapeuten und ihre Teams. Sie wissen auch, dass Krankenkassen am längeren Hebel sitzen, wenn Therapeuten formale Fehler auf eingereichten Rezepten übersehen. Und sie wissen, dass Krankenkassen mit Formfehlern sehr unterschiedlich umgehen, nicht selten aber eine harte Linie fahren, nachträgliche Korrekturen nicht zulassen und bereits geleistete Arbeit nicht vergüten. Seit gestern Abend wissen es auch die Zuschauer der ZDF-Polit-Sendung Frontal 21. Damit ist das Thema nun in der allgemeinen Öffentlichkeit angekommen. Gut so. Aber …

… ich möchte dazu gerne noch was ergänzen. Denn dass das Thema so brisant ist, lässt sich nur vordergründig auf die Pedanterie und den Kontrollwahn der Kassen zurückführen. Interessant ist nämlich auch die Frage:

Warum passieren eigentlich so viele Fehler?

Die Sendung sprach davon, dass bis zu einem Drittel der ausgestellten Verordnungen nicht korrekt sind. Das ist bombastisch viel. Als Erklärung dafür wurde die Heilmittel-Richtlinie angeführt, die nach der Interessenlage der Kassen konzipiert sei. Diese Erklärung ist naheliegend. Doch wir dürfen an diesem Punkt noch weiter denken.

Problemfeld 1: Verantwortlichkeit

Wenn therapeutische Leistungen bis ins Kleinste klassifiziert (und mit Preisschildchen versehen) werden, sorgt das für Transparenz. Jeder kann nachvollziehen, was in der Therapie gemacht wird (und was es kostet). Es ist sicher unstrittig, dass es eines entsprechenden Regelwerks bedarf. Insofern hat die Heilmittel-Richtlinie eine wichtige Funktion.

Doch man könnte auch mal darüber reden, warum die ärztliche Verordnung sich bis ins Kleinste auf das Regelwerk beziehen muss. Würde es nicht ausreichen, Verordnungstexte zuzulassen, die eine ärztliche Diagnose aufführen, das Heilmittel benennen und einen Therapiebericht einfordern, damit der Arzt den Fortgang der Therapie überprüfen kann? Müssen sich Ärzte mit den Details von zig verschiedenen Therapierichtungen auskennen? (Ärzte müssen sich bereits mit zig verschiedenen ärztlichen Therapieverfahren auskennen, was auch schon unmöglich ist und weshalb sie sich spezialisieren.) Muss es also sein, das Ärzte spezialisierten Therapeuten mithilfe von 2–3-stelligen Indikationsschlüsseln detailliert vorschreiben, was sie wann zu tun haben? Finden Ärzte wirklich, dass das nötig ist?

Wenn auch Ärzte die momentane Aufteilung der Verantwortlichkeiten für nicht zweckmäßig halten – und dafür gibt es immer mehr Anzeichen – und wenn diese Aufteilung für eine solche Fehlerflut sorgt, die einen immensen wirtschaftlichen Schaden verursacht, frage ich mich, warum man das nicht schnellstmöglich ändern kann. Herr Bahr?

Problemfeld 2: Sparwahn

Die Kassen haben zu wenig Geld. Sagt man. Naja, man muss das nicht glauben. Und Anzeichen dafür, dass das nur die halbe Wahrheit ist, gibt es einige. Denn für Präventionsangebote, Medical Wellness und dergleichen hat man Geld und gibt es auch aus. Das bringt nämlich Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz. Mit Leistungskatalogen à la Schlaganfall- und Hilfsmittelversorgung kann man bei jungen, zahlungskräftigen Versicherten nicht punkten. Und um die geht es.

Ich will damit nicht sagen, dass ich diese Leistungen für überflüssig halte. Im Gegenteil. Ich finde es gut, wenn Menschen motiviert werden, ihre Gesundheit möglichst lange zu erhalten. (Wobei man sich schon fragen darf, warum das alles die Krankenkassen finanzieren sollen. Aber das ist ein anderes Fass, was ich hier jetzt nicht aufmache.) Es würde mich schon interessieren, warum Kassen und Politik beim Thema Sparen zuerst an die Krankenversorgung denken. Man ist dem Versorgungssystem gegenüber sehr misstrauisch, unterstellt Leistungserbringern, sie würden systematisch betrügen, und selbst die Patienten simulieren angeblich massenhaft. Auf solche Meldungen in der Presse reagieren die Verantwortlichen reflexhaft mit neuen Reglementierungen. Um Geld zu sparen. Man will ja nicht unrechtmäßig erbrachte Leistungen zahlen. Ja, das kann ich verstehen. Nein, darüber gibt es keinen Dissenz.

Aber ich würde auch gerne mal hören, dass man sich Gedanken über Systemfehler macht. Wo kann man Geld sparen, das durch schlechte Abläufe verpufft? Welche Steuerungsinstrumente gibt es, die nicht mit Bestrafungen von Einzelnen operieren, Kleinkriege und Existenzbedrohungen zur Folge haben, sondern zu sparsamem und effektivem  Verhalten motivieren und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Teilen des Systems fördern. Damit die Krankenversorgung besser wird. Denn damit könnte man ziemlich viel Geld einsparen. Wetten, Herr Bahr?

Problemfeld 3: Patientenverschiebung

Viele Patienten werden heute ziemlich viel hin und her geschickt. Das dient leider meistens nicht dazu, dass sich ihre Versorgung verbessert, weil sie bei einem besser für das Krankheitsbild qualifizierten Arzt landen. Sie landen halt einfach nur bei einem anderen Arzt, der dann die Kosten für Behandlungen verantworten muss. So werden schwer kranke Menschen nach wenigen Tagen aus Krankenhäusern entlassen, obwohl sie für zu Hause oder eine Anschlussheilbehandlung noch nicht fit genug sind. Egal. Dann macht man die Therapie eben ambulant. Gut. Kann man machen. Aber um die gleiche Qualität zu bekommen, muss man dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen auch vergleichbar sind. Sind sie das, Herr Bahr? Können niedergelassene Therapeuten vernünftig ihrer Arbeit nachgehen? Nein, denn zuerst müssen sie sich durch den Bürokratiedschungel schlagen, damit sie nicht hinterher auf den Kosten sitzen bleiben!

Stattdessen verschwendet man lieber kostbare Energie und Zeit der Patienten, Ärzte und Therapeuten damit, dass sie sich um Frickelfehler kümmern müssen. Ärzte schauen genervt zum x-ten Mal in die Heilmittel-Richtlinie, um bei einem schon einmal ausgestellten Rezept nicht wieder den gleichen Fehler zu machen (dafür dann aber manchmal einen anderen). Also schickt man die Patienten wieder zurück zum Arzt, von dem sie kommen. Der ärgert sich – wenn es schlecht läuft – über die Praxis und streicht den Therapeuten aus seinen Empfehlungslisten. Oder die Patienten sind so abgeschreckt von der vielen Rennerei, dass sie auf die Therapie verzichten (was ziemlich hohe Folgekosten verursachen kann). Vordergründig hat das System aber erst mal Geld gespart. Ziel erreicht, dank Patientenverschiebung. Wird dabei eigentlich irgend jemand gesünder, Herr Bahr?

Problemfeld 4: Zielsetzung

Wofür machen wir das eigentlich? Setzen uns ein für Patienten, bilden uns teuer fort, rackern uns ab, akzeptieren niedrige Vergütungssätze für hochqualifizierte Arbeit und familienunfreundliche Arbeitszeiten? (Wenn ich wir sage, meine ich Therapeuten und Ärzte.) Wir haben einen medizinischen Beruf ergriffen, weil wir anderen Menschen helfen wollten. Nicht, weil wir Handlanger der Kassen in punkto Geldsparen sein wollen und Freude daran haben, uns und unsere Leistungen zu rechtfertigen.

Wir haben fachliche Reputation zu verlieren, wenn unsere Patienten nicht von unserer Arbeit profitieren. Brauchen wir da zusätzlich noch Regresse und abgesetzte Verordnungen? Brauchen wir Therapeuten nicht eher Ausbildungsstrukturen, die uns auf die Praxisanforderungen so vorbereiten, dass Kostenträger an uns und unsere Leistungen glauben und überzeugt sind, dass ihr Geld bei uns gut angelegt ist? Herr Bahr?

Stattdessen haben wir ein System, dass uns bei der Arbeit am Patienten nicht den Rücken stärkt, sondern uns ständig Knüppel zwischen die Beine wirft. Aua, Herr Bahr!

Die Frontal21-Sendung kann man sich in der ZDF-Mediathek anschauen (“Wie Krankenkassen Geld eintreiben  – Bürokratenwahn beim Physiotherapeuten”).

Schlussbemerkung: Herr Bahr kann einem fast leid tun. Vielleicht tröstet es ihn, wenn er weiß, dass er hier nur deshalb mit Namen angesprochen wird, weil er der Herr über all die schlauen Gesundheitsökonomen und -stiftungen ist, die sich mit der Monetarisierung von Gesundheitsleistungen beschäftigen und die Einfluss auf Herrn Bahr nehmen wollen. Vielleicht haben sie vergessen, dass Herr Bahr das letzte Wort hat? Wollen Sie die Damen und Herren daran erinnern, Herr Bahr?

Da.

Oje. Hier schläft aber ein Blog tief und fest. Psst. Sorry, aber ich muss dich jetzt doch mal kurz wecken. ;-)

Also, Ihr Lieben, hier ist es in den letzten Monaten ziemlich ruhig gewesen. Woran liegt’s? An ein paar tiefgreifenden Veränderungen, sowohl privaten als auch beruflichen. Die privaten erspare ich Euch, aber über die beruflichen will ich Euch nicht ganz im Unklaren lassen.

Ich habe Anfang des Jahres die Gelegenheit bekommen, regelmäßig für eine Zeitschrift zu arbeiten, die sich an niedergelassene Therapeuten richtet. Nämlich diese hier: Praxisführung professionell. Das hat ziemlich viele meiner Arbeitsabläufe verändert. Vor allem habe ich nun recht viel zu tun. :-) (Und kaum noch Zeit fürs Bloggen. :-( )

Ich redigiere dort Beiträge, wirke bei Themenfindung und Autorenbetreuung mit und schreibe selbst. Hauptsächlich über berufs- und gesundheitspolitische Entwicklungen und Abrechnungsfragen. Das macht mir sehr viel Spaß.

Daneben schreibe ich weiter für die ergopraxis, zum Beispiel die Kolumnen. Das macht mir ebenfalls sehr viel Spaß. Aber auch noch anderes, wie ein Portrait im aktuellen Heft über den Poetry-Slammer Lars Ruppel. Hier geht’s zu meinem Artikel und hier entlang zum Lars und den Weckworten für Demenzpatienten.

So. Nun wisster Bescheid.

Ansonsten bastle ich hinter den Kulissen an weiteren tiefgreifenden Veränderungen, die auch dieses Blog hier betreffen. Insider wissen: Das kündige ich schon länger an. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es auch irgendwann mal fertig wird. Bis dahin bitte ich noch um ein wenig Geduld. Ich werde Euch auf dem Laufenden halten.

Wie Ihr merkt, bin ich außerdem zum Du gewechselt. Ich hoffe, das ist Euch recht. Und mit diesem kollegialen Zuruf beende ich lieber den etwas werblichen Auftritt heute und verabschiede mich auch schon wieder. Diesmal aber nicht für so lange wie beim letzten Mal.

Adieu und bis bald, liebe treue LeserInnen des ergo-im-netz-Blogs. Ich freue mich, wenn Ihr immer mal wieder vorbei schaut.

Neujahrsansprache

Was ich noch schnell sagen wollte, bevor das Jahr zu Ende geht:

  1. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Schauen Sie doch mal beim handlungs:plan vorbei. Da lesen Sie nämlich etwas höchst Interessantes von einem Artikelwettbewerb. Noch bis Ende März kann jeder mitmachen, der Lust hat, einen ergotherapeutischen Artikel zu schreiben. Es gibt nicht nur Geld zu gewinnen, sondern auch eine Veröffentlichung des Textes.
    (Warum ich dafür bin, dass viele mitmachen? Ich darf alles lesen. Alles. :-) Dank an Markus für die Berufung in die Jury!)
  2. Kommen Sie gesund und munter ins nächste Jahr und machen Sie das Beste draus. Auch wenn’s mal mehr Zitronen gibt als Sie bestellt haben. Als Limonade sind auch die ein Genuss. ;-)
  3. Haben Sie vielen Dank fürs Mitlesen und Mitschreiben! Das Blog und seine Betreiberin freuen sich über wachsendes Interesse (und hoffentlich auch wachsende Beliebtheit) und nehmen gerne Wünsche entgegen: für Themen, für Service, für Wasauchimmer. Eine Mail genügt.

Auf ein friedliches und inspirierendes 2012!

Ich bin ein Wicht(-el) :-)

Blogwichteln im Texttreff

Blog-Wichtel-Aktion des Texttreffs

Ein bisschen Werbung in eignener Sache muss auch manchmal sein. Wie Sie am vorhergehenden Beitrag schon gemerkt haben, habe ich mich an der Blog-Wichtel-Aktion des Texttreffs beteiligt. Der Texttreff ist ein Netzwerk von Frauen, die mit Texten arbeiten. Diesem Netzwerk anzugehören, ist ein großer Segen für mich, und das nicht nur in der Vorweihnachtszeit.

Als die Idee geboren wurde, die Blogs der Texttreff-Mitglieder in der Adventszeit mit Wichtelbeiträgen zu beschenken, hatte ich spontan Lust, mich auch dort einzubringen.

Nachdem nun letzte Woche meine liebe Netzwerkkollegin Heike Baller hier über ihre Erfahrungen mit Ergotherapie berichtet hat, habe ich nun für meine genauso liebe Netzwerkkollegin Daniela Dreuth einen Beitrag für ihr Blog Kinderohren verfasst. Das Blog stellt Kinderbücher, -hörbücher und Ratgeber vor. Ich war eingeladen, dort ein Kinderbuch zu besprechen.

Über diese Gelegenheit, mein Lieblings-Kinderbuch vorzustellen, habe ich mich sehr gefreut. Das Buch handelt davon, wie einige Kinder eine tote Hummel finden und daraufhin eine gute Idee haben. Welche, verrrate ich hier nicht. Neugierig geworden? Dann bitte hier entlang. :-)

Ein Bericht von außen – Mein Kind bei der Ergo

Ein Gastartikel von Heike Baller
Weihnachten im Bohnenbad

Ergotherapie? Was ist das denn?

Die Lehrerin von Kind 2 meint, das sei nun geboten, denn die Schrift des Knaben sei nun wirklich nicht leserlich.
Ach nee, nicht noch ‘ne Therapie, bitte. Auch wenn die manuelle Geschicklichkeit nicht so ausgeprägt ist – das Kind soll doch nicht den Eindruck bekommen, es sei „reparaturbedürftig“. Also schieben wir die Entscheidung vor uns her.

Die Zeit mit dem Logopäden ist nun schon ein Weilchen her und wer weiß, vielleicht hätte er die verbesserte Aussprache  auch ohne …?

Ein Schulhalbjahr später ist es dann doch so weit – wir haben den ersten Termin bei einer Ergotherapeutin. Schlechte Noten, obwohl es richtig ist, aber nicht zu lesen – da war der Leidensdruck dann doch zu groß.

Während eine Mitarbeiterin mit dem Kind in einen Raum geht, bleibe ich im Gespräch mit der Therapeutin zurück. Was sie alles wissen will! Die Fragen fahnden bis in die Zeit der Geburt und davor. Es war doch alles normal. Naja, gut, er kam ein bisschen früher als errechnet und war wohl wirklich recht früh – Sie verstehen: noch voller Käseschmiere. Als zweites Wickelpaket – der Große war anderthalb – lief er dann so mit, war fröhlich und friedlich, außer, wenn ich den Bruder wickelte. Das mit dem Sprechenlernen war nicht so seins – der Bruder verstand alles und spielte Dolmetscher. So süß! Der Große puzzelte nur, wenn wirklich nichts anderes da war – der Kleine gar nicht.
Ich merke gar nicht, wie ich ins Erzählen komme – und die Therapeutin notiert immer mal wieder was, hakt nach, was wieder eine kleine Geschichte nach sich zieht. Das Gespräch dauert eine Stunde.

Nun geht das Kind also einmal pro Woche „zur Ergo“

Viel erzählt er nicht. Den Begriff „Bohnenbad“ höre ich mal. Auf jeden Fall macht es ihm Spaß. Nur – mit Schreiben hat das alles nichts zu tun. Hm?
Nach einiger Zeit habe ich wieder ein Gespräch mit der Therapeutin und sie erzählt mir, was da warum passiert.

Die Unfähigkeit, sauber zu schreiben hat was mit dem Muskeltonus im gesamten Körper zu tun. Der ist im Ungleichgewicht – für Sachen, die leicht gehen können, wendet Kind 2 zu viel Kraft auf, für andere fehlt die Kraft am richtigen Ort. Stimmt, pfeifen kann er nicht. Den Mund zum Pusten zu spitzen, fällt ihm schwer, das ist schon dem Logopäden aufgefallen.

Ziel sei es nun, das Körpergefühl, die Wahrnehmung zu verbessern. Dazu dient auch das Bohnenbad – in eine Kuhle voller Bohnen zu liegen und zu spüren, wie sie sich umgruppieren, je nachdem, wie er selbst seine Lage verändert. Sie schildert mir noch mehr Sachen, die sie mit meinem Sohn veranstaltet – springen, schaukeln, balancieren.

„Aber die Schrift?“, hake ich nach.

Kommt alles, beruhigt sie mich. Insgesamt geht Kind 2 fast ein Jahr lang wöchentlich zur Ergo und hat Spaß. Die Ergotherapeutin ist zufrieden, denn der Junge hat ein paar grundlegende Fortschritte gemacht. Das mit dem Schreiben – na ja, da er es nicht mag, ist die Schrift immer noch nicht so toll, aber leserlicher.
Spannend ist für mich die unterschiedliche Auffassung dessen, was Ergotherapie leisten soll: Die Lehrerin ist ganz eindeutig der Meinung, die Schrift ist das, was verbessert werden muss – Ergotherapie als Reparaturwerkstatt. Die Therapeutin dagegen schaut auf das Kind insgesamt und stellt fest, dass es sich das Leben mit seinem Körperwahrnehmungsgefühl insgesamt schwer macht und arbeitet daraufhin mit ihm. Bewegungen werden flüssiger und sicherer – eine Qualitätsverbesserung im Großen, die solche im Kleinen nach sich zieht.

Und die Schrift?

Er kann jetzt mit zehn Fingern tippen …

Blogwichteln im TexttreffVielen Dank an Heike Baller, die diesen Gastbeitrag im Rahmen der Weihnachts-Blogwichtel-Aktion des Texttreffs für mein Blog geschrieben hat. Ein großer Dank geht auch an Eva Brandecker für das tolle Foto. Beide sind – genau wie ich – Mitglied im Texttreff und deshalb geht last but not least auch ein dickes Dankeschön an den Texttreff – Das Netzwerk wortstarker Frauen, ohne das ich mir mein (Arbeits-)Leben nicht mehr vorstellen kann.

Ergotherapie im Wandel

Gabriele Voigt-Papke

Gabriele Voigt-Papke

Gastartikel von Gabriele Voigt-Papke, Ergotherapeutin in eigener Praxis in Lübbecke

In den 90er Jahren hatten Ergotherapeuten den Ruf, „Basteltanten“ zu sein. Heute sind vor allem viele Kinderärzte der Meinung, sie spielten nur. Die Arbeit von Ergotherapeuten sieht natürlich ganz anders aus, doch das nehmen zu viele Menschen immer noch anders wahr. Das ist einerseits ein Imageproblem, aber andererseits hat das auch mit einer Berichts- und Organisationskultur zu tun, die in manchen Praxen nicht mit der aktuellen Entwicklung Schritt gehalten hat.

Problematisch wird es zum Beispiel, wenn die Ziele in den Berichten von Ergotherapeuten auf Funktionsebene formuliert sind, denn dann sind sie zu schwammig. Für die Ärzte sind schwammige Formulierungen oft nicht nachvollziehbar. Erfolge sollten messbar und belegbar sein. Bei Gesprächen mit den Ärzten wird daher immer wieder die Forderung nach sichtbaren und nachweisbaren Erfolgen gestellt.
Viele Ergotherapeuten sind der Meinung, dass die Einführung von Kennzahlen und konkret definierten Zielen die Grundlage sind, um den Ärzten zu beweisen, dass die Verordnung von Ergotherapie sichtbare und nachweisbare Erfolge bringt. Sie fordern daher ein Umdenken in der Ergotherapie.

Wie diese neuen Arbeitsweisen konkret aussehen, stellt Gabriele Voigt-Papke an einem Beispiel aus der Praxis dar.

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Bis zum nächsten Welt-Ergo-Tag

Logo World Occupational Therapy DayEin Fazit zum Welt-Ergo-Tag gibt’s hier leider nicht. Aber ein paar Infos, die ich gestern aufgeschnappt habe, kann ich weitergeben.


  1. An die 30 Aktionen fanden deutschlandweit anlässlich des Welt-Ergo-Tages statt. Wer berichten mag, welche Erfahrungen er gemacht hat, darf sich gerne bei mir melden. Ich hab hier noch Platz für Gastartikel. :-)
  2. Bei der Blogparade von Linda’s daily living skills kann man 23 Beiträge aus aller Welt über ergotherapeutische Themen bewundern.
  3. Bei Wikipedia gibt es am Welt-Ergo-Tag einen Run auf die Wikipedia-Seite über Ergotherapie. Das war letztes Jahr schon so und hat sich dieses Jahr wiederholt. Ich hoffe aber, ehrlich gesagt, dass die meisten Klicks auf der englischen Wiki-Seite gelandet sind. Die deutsche Seite ist, naja, wie soll man sagen, noch ausbaufähig. Wäre eigentlich mal ein schönes Projekt für lange Winterabende!
  4. Der Vortragsmarathon OT24VX, bei dem 24 Stunden lang Videovorträge übers Internet abrufbar waren, wurde ca. 8000 angeklickt. Wer nicht dabei sein konnte (so wie ich), der kann in zwei Wochen noch mal dort vorbeischauen. Ab dann sind alle Vorträge online abrufbar. Eine ausführliche Zusammenfassung darüber, was man alles verpasst hat, wenn man – so wie ich – arbeiten musste, findet man drüben beim handlungs:plan.
  5. Via twitter, wo ich seit Kurzem auch dabei bin und was mir großen Spaß macht, wurden anlässlich des Vortragsmarathons OT24VX an die 1000 tweets verschickt. Man hat sich also während und nach den Vorträgen rege ausgetauscht. Mein Bloggerkollege Markus Kraxner war übrigens mit 200 tweets am fleißigsten.

Und hier zum Abschluss meiner kleinen Artikelserie zum Welt-Ergo-Tag noch ein beschwingtes Lied für den Nach-Hause-Weg. Ich geh jetzt mit einem Augenzwinkern Kaffee trinken, äh nein, reflektieren. ;-)

Ergotherapeut von ostre zolwie

ergotherapeut